Prof. Dietrich Harrach
Übungen: Dr. Frank Maas
WS 97/98
Beispiele für die Wirkung der Scheinkräfte im rotierenden System
Wenn wir
als die Coriolisbeschleunigung und
als die Zentrifugalbeschleunigung einführen, so kann man damit
die mechanischen Probleme im rotierenden System durch Berücksichtigung der
Scheinkräfte lösen:
BEISPIELE
Wenn ein Körper im rotierenden System ruht, d.h.
, so wirkt auf ihn
nur die äußere Kraft - z.B. die Gravitationskraft - und die
Zentrifugalkraft. Da
muß für die Kräfte gelten:
Für ein rotierendes Pendel muß in der Gleichgewichtslage gelten:
Bei festem d ist die Gleichgewichtslage nur von
und der Pendellänge
abhängig.
In einem auf einer Kreisbahn um die Erde kreisenden Satelliten erfahren die
Passagiere scheinbar die ''Schwerelosigkeit''. Die Schwerkraft wird im System
O' durch die Zentrifugalkraft kompensiert. Die Corioliskraft ist klein, da
(100 km
Höhe,T=1.4 h) klein ist.
Mit
ist
.
Die Schwingungsebene eines Pendels auf dem Drehtisch bleibt erhalten.
Da das Drehmoment immer senkrecht auf der instantanen
Pendelebene steht gibt es in O kein zusätzliches Drehmoment.
In einem Labor auf der sich drehenden Erde dreht sich
die Schwingungsebene des Foucault-Pendels mit einer Winkelgeschwindigkeit
im Uhrzeigersinn (wie die Sonne).
In Mainz
ist dies
.
Die Behauptung, die man in manchen Büchern findet, daß dies durch die
''Beibehaltung der Schwingungsebene im Raum'' zu erklären sei, ist bestenfalls
auf die Pole anwendbar.
Eine Ableitung findet sich bei C.Gerthsen oder in Landau-Lifschitz Bd.I.
In seiner Schwingungsebene verschiebt
sich das Pendel um
.
Senkrecht dazu wirkt die Coriolisbeschleunigung ac und verursacht eine
dazu senkrechte Verschiebung
Der Drehwinkel der Schwingungsebene ist:
oder
Weiteres Beispiel (Meteorologen!!): Zyklone (Tiefdruckgebiete) werden durch
Luftströmungen (Winde) ausgeglichen. Auf der Nordhalbkugel werden die Strömungen
gegen den Uhrzeigersinn abgelenkt. Dies bedeutet Westwind bei Islandtief.
Die Lorentz-Transformation
Aus Beobachtung von Unregelmäßigkeiten bei der Bedeckung der Jupitermonde
schloß Olaf Römer bereits 1676 die Endlichkeit der
Lichtgeschwindigkeit,
und lieferte eine erste Abschätzung
c=300 000 km/s.
Die Anwendung der Galilei-Transformation auf die Emission und Absorption von
Lichtimpulsen aus einem
mit
relativ zum Beobachter bewegten Bezugssystem würde eine
Lichtgeschwindigkeit
von
erwarten lassen.
Messungen von Michelson und Morley (1881) zeigten jedoch die Konstanz
von c unabhängig vom Bezugssystem d.h. von der Relativgeschwindigkeit
.
Die Ausbreitung eines Lichtsignals zu Zeit t=0 vom Ursprung des Systems O
geschieht auf einer Kugel die durch
x2+y2+z2=c2t2
beschrieben wird.
Ein Beobachter in O', das zur Zeit t=0 gerade den gleichen Ursprung wie O
hatte, dagegen findet:
x'2+y'2+z'2=c2t'2
Wobei beide die empirische Tatsache c=c' verwenden.
Welche Transformationsgleichungen gelten?
Die Relativgeschwindigkeit möge
sein.
Wir nehmen versuchsweise eine einfache Modifikation der Galilei-Transformation
an:
x'=k(x-uxt)
mit
wenn ux<<c
y'=y und z'=z
Für die Transformation von t machen wir versuchsweise den linearen Ansatz:
t'=a(t-bx).
mit
und
wenn ux<<c
Einsetzen in x'2+y'2+z'2=c2t'2 liefert:
Wenn dies mit x2+y2+z2=c2t2 übereinstimmen soll, dann muß gelten:
k2-c2a2b2=1
k2ux-c2a2b=0
a2c2-k2ux2=c2
Dieses Gleichungssystem hat die Lösung:
und b=ux/c2
Damit ergeben sich für den Spezialfall
die Transformationsgleichungen:
y'=y ; z'=z
Dies ist die sogenannte Lorentz-Transformation,
die 1890 von Hendrik Lorentz erstmals formuliert wurde.
Mit den Abkürzungen
erhalten wir
y'=y ; z'=z
beziehungsweise die Umkehrtransformation:
y=y' ; z=z'
.
Diese Transformation läßt sich für die Dimensionen x,ct bzw. x',ct'
graphisch einfach darstellen.
Die Linie x'=0 entspricht einer Geraden
und ct'=0 entspricht
.