Prof. Dietrich Harrach
Übungen: Dr. Frank Maas
WS 97/98
Anwendungen der Lorentz-Transformation
Wenn ein Körper im System O' die Geschwindigkeit
hat, dann
ist die in O beobachtete Geschwindigkeit
.
Die Differentiale transformieren sich wie:
Auflösen nach dx/dt=vx ergibt:
Ebenso erhält man für die anderen Komponenten:
Wenn sich ein Teilchen in O' mit vx'=c bewegt, dann beobachtet man in O:
vx=(c+ux)/(1+ux/c)=c
Dies ist die eingangs postulierte Konstanz der Lichtgeschwindigkeit.
Längenkontraktion und Zeitdilatation
Beobachten wir einen Gegenstand der Länge
L'=x2'-x1' der in O' ruht, dann
sind wegen der Transformation
die Koordinaten der Endpunkte im System O - bei gleicher Zeit t in
O - durch
und
beschrieben. Der Abstand im Sytem O L=x2-x2 bei gleicher Zeit t ist dann
.
Dies bedeutet, daß ein Gegenstand mit der ''Ruhe-Länge L'',
der sich schnell
an einem Beobachter vorbei bewegt, um den Faktor
verkürzt erscheint.
Dieses Phänomen hat die Bezeichnung der Längenkontraktion erhalten.
Ein Zeitabstand
im System O' am gleichen Ort x'
gemessen,
erscheint im System O an den Koordinaten
und
.
Damit ist der Zeitunterschied in O:
.
Dieses Phänomen hat die Bezeichnung der Zeitdilatation erhalten.
Die Zeitdilatation kann durch die Beobachtung instabiler Teilchen einfach
nachgewiesen werden.
Muonen haben in Ruhe eine Lebensdauer von
. Selbst wenn
sie sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegten, wäre ihre Laufstrecke ohne
Zeitdilatation nur
. Durch die Anwendung der Lorentz-Transformation
ist ihre Lebensdauer im Labor und damit ihre
Laufstrecke
jedoch um den Faktor
vergrößert. Mit z.B.
ist
und damit mittlere Laufstrecke
.
Stöße
Wechselwirken zwei Massenpunkte nur eine endliche Zeit und in einem endlichen
Bereich, so nennt man diesen
Vorgang einen Stoßprozeß.
Die beiden
Stoßpartner stellen ein abgeschlossenes System dar.
Es gilt daher unter allen Umständen der früher abgeleitete
Erhaltungssatz für den Gesamtimpuls bzw. dier Konstanz der
Schwerpunktgeschwindigkeit.
Wenn während des Stoßes nur
Zentralkräfte wirken ist sowohl der innere als auch der äußere
Drehimpuls erhalten
Bei einem Stoß sprechen wir von den Geschwindigkeiten oder Impulsen der in
den Wechselwirkungsbereich
einlaufenden Teilchen und auslaufenden Teilchen.
Diese werden
auch die asymptotischen Geschwindigkeiten genannt, wenn der Abstand der Teilchen groß
gegenüber der Reichweite der Wechselwirkung ist.
Die Reichweite ist von der Natur der Kräfte abhängig.
Bei Gravitationsfeldern und elektrischen
Feldern kann keine Reichweite angegeben werden. Bei Stößen von
Atomen, Molekülen und elastischer Körper fällt die Reichweite mehr oder weniger
mit der Summe der Radien der Stoßpartner zusammen.
Stoßprozesse sind besonders geeignet um die Eigenschaften der
Wechselwirkungen im Mikrobereich zu erforschen
Wenn die die im Stoß
wirkenden Kräfte konservativ sind, dann gilt die Erhaltung der
mechanischen Energie.
Wenn die Stoßpartner auch noch unverändert aus dem Stoprozeß hervorgehen,
so nennt man dies einen elastischen Stöß. Dafür gilt neben der Impulserhaltung
auch die Energieerhaltung
m1v12+m2v22=m1v'12+2v'22
bzw.
Diese Gleichungen lassen sich durch die Transformation in das
Schwerpunktsystem einfach lösen.
Wenn wir die Schwerpunktsgeschwindigkeit
und die Relativgeschwindigkeit
einführen, dann erhalten wir durch die
Galileitransformation
die neuen Gleichungen für die Impulse
Die Summe der Impulse im Schwerpunktsystem ist per Definition Null,
und
sind parallel und entgegengesetzt.
Die Relativgeschwindigkeit bleibt
bei der Galileitransformation erhalten
Zusammen mit
ergibt sich:
und
Für die kinetische Energie erhalten wir
mit
Bei elastische Stösse die kinetische
Energie im Schwerpunktsystem i.e. die kinetische Energie der Relativbewegung
erhalten
.
Bei elastischen Stößen bleibt deshalb der Betrag der Relativgeschwindigkeit der
Stoßpartner erhalten.
Die einzige Wirkung des elastischen Stoßes ist die Änderung der Richtung der
Relativgeschwindigkeit.
Die Beträge der Geschwindigkeiten im
Schwerpunktsystem sind konstant
Wenn wir die Richtung der Relativgeschwindigkeit des einlaufenden Systems
als
z-Achse wählen, dann ist die Richtung der Relativgeschwindigkeit des
auslaufenden Systems durch
einen Azimuthwinkel
und einen Polarwinkel
, den sogenannten
Streuwinkel im Schwerpunktsystem, gegeben.
Jede Richtung
und
ist mit den
Erhaltungssätzen für Impuls und Energie verträglich.
Die durch die Relativgeschwindigkeit vor und nach den Stoß definierte Ebene
bezeichnet man als die Streuebene.
Bei gegebenem Schwerpunktsstreuwinkel
und Wahl der (x,z)-Ebene als
Streuebene haben die auslaufenden
Geschwindigkeiten
die Komponenten
und entsprechend
Man kann hier auch die Komponeneten
und
einführen
Die Rücktransformation in das Laborsystem
liefert
die Geschwindigkeiten
und
im Laborsystem.
Ruhendes Target
Wenn im Labor ein Teilchen - z.B. Teilchen 1 - vor dem Stoß in Ruhe ist
dann
ist die Schwerpunktsgeschwindigkeit
parallel zur Relativgeschwindigkeit des einlaufenden Systems
.
Die Geschwindigkeit des gestreuten Projektils im Labor ist dann:
Für das angestoßene Targetteilchen erhalten wir:
v'1,z=
Hieraus können die Laborstreuwinkel
und
bestimmt
werden: